Nationaler muslimischer Dachverband pocht auf Gleichbehandlung der Muslime

Nach den Zürcher Muslimen kritisiert nun auch die Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (Fids) das Ja des Nationalrats zur Motion von Lorenzo Quadri. Ein Verbot der Finanzierung durch ausländische Geldquellen müsste für sämtliche Religionsgemeinschaften gelten, schreibt die Fids in einer Stellungnahme. Der Vorstoss des Tessiner Politikers verlangt ein Verbot für Moscheen, Geld aus dem Ausland anzunehmen.

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Lieber Terrorist als Psychopath?

Was steckt hinter den Selbstmordattentaten muslimischer Jugendlicher? Weniger eine Radikalisierung des Islam als eine Islamisierung der Radikalität, schreibt Olivier Roy.

 

Seit den Terrorangriffen auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 herrscht Krieg – nicht nur «war on terror», sondern auch eine Art Krieg der Interpretationen und Deutungen: Welche Motive verbergen sich hinter den Attentaten? Was soll damit bezweckt werden? Und handelt es sich um einen Clash der Kulturen oder der Religionen? Politologen, Soziologen und Psychologen gehen diesen Fragen nach und präsentieren Antworten wie etwa: Das Ziel der Attacken gelte letztlich den westlichen Werten, die als Unwerte deklariert und deklassiert werden. Diese Anschläge erfolgen ausgerechnet mit modernster westlicher Technologie, was nur einen der Widersprüche im Weltbild der Attentäter darstelle.

Eine andere Auslegung erkennt in den Attacken ein Ventil für den Überdruck, der im gesamten arabischen Raum vorherrsche. Es handle sich um die ersten Erschütterungen, die der dort zu erwartenden Revolution vorausgingen. Der Westen, dem die Rolle des Bösen zugewiesen wird, fungiere quasi als Blitzableiter.

Anstatt in der muslimischen Welt selbst kommt es in den freien, fortschrittlichen Städten Europas und Amerikas zur explosiven Entladung – genau an jenen Orten, wo die zweite Generation der muslimischen Einwanderer die Kluft zwischen der säkularen Gegenwart und ihrer archaischen Herkunft am stärksten spürt. Einige wenige ihrer Vertreter greifen dann zur Tat und suchen die Zerstörung.

Den ganzen Artikel lesen Sie im Tagesanzeiger vom 30.09.2017.

 

Stellungnahme zur parlamentarischen Motion betreffend dem Verbot von ausländischen Finanzierungen für Moscheen und der Verpflichtung zur Transparenz

Die Motion von Herrn Lorenzo Quadri im Nationalrat betreffend der Finanzierung von Moscheen und der Predigt in einer Landessprache wurde abgeleitet von gewissen Ideen des Österreichischen Modells von vor 2 Jahren.

Der Kontext in Österreich ist aber ein völlig anderer. Der Islam ist dort seit 105 Jahren staatlich anerkannt und die Behörden finanzieren die muslimische Gemeinschaft seit vielen Jahren mittels z.B. muslimischen Kindergärten und etwa 350 Lehrer/innen. Die Schweiz unterscheidet sich aber von Österreich. Die Anerkennungsfrage ist hier kantonal geregelt und zur Zeit ist die muslimische Gemeinschaft in keinem Kanton anerkannt und wird auch nicht finanziell unterstützt.

Eines der Prinzipien unserer Verfassung und unseres Staates ist das Recht auf Gleichbehandlung. Es darf daher keinen Generalverdacht oder Diskriminierung gegen eine religiöse oder ethnische Gemeinschaft geben. Wenn man einer religiösen Gemeinschaft das Recht auf Auslandfinanzierung abspricht, müsste man dieses Verbot auch auf alle religiösen Vereine oder Gemeinschaften in der Schweiz anwenden. Man müsste dann möglicherweise komplementäre Finanzierungslösungen durch eine eventuelle Beteiligung vom Staat eruieren.

Um auf verschiedene Bedürfnisse seiner Mitglieder eingehen zu können, bietet die katholische Kirche heute in Zürich 27 Kultusstätten an, in denen die Predigt in insgesamt 12 anderen Sprachen als in Deutsch* gehalten wird, so z.B. in Albanisch, Portugiesisch, Spanisch, Slowakisch, Kroatisch oder Polnisch. Falls man die Muslime zwingen sollte die Predigt in einer Landessprache zu halten, müsste man erneut das Gleichbehandlungsrecht anwenden und die Konsequenzen auch für die anderen religiösen Traditionen anwenden.

Heute herrscht für die muslimische Gemeinschaft eine generelle Schuldsvermutung vor. Es gibt zahlreiche unbegründete Beschuldigungen ohne Beweise oder Rechtfertigungen. Die FIDS stellt sich den Behörden zur Verfügung, um eventuelle Finanzierungen zu untersuchen, die nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar sind oder den sozialen Frieden stören. Um dies zu erreichen sind objektive und faktenbasierte Ansichten unabdingbar.

Eine solche Motion untergräbt die beträchtlichen Anstrengungen der muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz um lokale Finanzierungen zu finden und deren Unabhängigkeit vom Ausland zu erhöhen. Die Behörden haben schon mehrere Revisionen in muslimischen Gemeinschaften durchgeführt. Mehrere zu Unrecht der Auslandfinanzierung beschuldigten muslimischen Organisationen haben den Behörden und Journalisten ihre Konti geöffnet um zu beweisen, dass der allergrösste Teil der Finanzierungen mit einem Schweizerischen Bankenursprung eingegangen sind.

Die FIDS besteht in ihren Leitlinien darauf , dass sich die Mitglieder an die Regeln und Gesetze halten und alles daran setzen um ein Niveau der Transparenz zu erreichen, das vom Staat verlangt wird. Sie arbeitet mit staatlichen und kantonalen Behörden um die Integrationsarbeit zu vereinfachen, um alle Formen von Extremismus zu bekämpfen und um ausländische Einmischungen zu reduzieren, damit der soziale Frieden in der Schweiz ermöglicht wird.

Die FIDS begrüsst den richtigen Standpunkt von Frau Bundesrätin Simonetta Sommaruga während der Debatte zur Motion Quadri im Nationalrat. Wir hoffen, dass die weitere Debatte im Ständerat auf objektive und nicht diskriminierende Weise geführt wird. Die FIDS stellt sich für alle Diskussionen zur Verfügung, um weitere Entwicklungen zu debattieren damit Richtlinien ausgearbeitet werden können, um den religiösen und sozialen Frieden in der Schweiz weiter zu fördern.

 

Media Team FIDS

 

 

 

 

À propos de la motion parlementaire d’interdiction des financements étrangers et obligation de transparence

La motion parlementaire de Mr. Lorenzo Quadri concernant le financement des associations musulmanes et la langue du prêche votée cette semaine est dérivée de l’importation de certaines idées  des lois votées an Autriche il y a 2 ans.

Mais le contexte autrichien est tout autre. L’islam y est reconnu au niveau national depuis 105 ans, l’Etat finance la communauté musulmane depuis de nombreuses années, y compris des jardins d’enfants et près de 350 enseignants. La Suisse n’est pas l’Autriche. Ici, la question religieuse est traitée au niveau cantonal. Et à ce jour, aucun canton ne reconnait ou ne finance la communauté musulmane.

L’un des principes de notre constitution et de notre Etat de droit est l’égalité de traitement. Cette même constitution et nos lois ne devraient pas permettre une suspicion généralisée ou discriminante envers une communauté religieuse ou une ethnique. Si l’on devait interdire à une communauté religieuse le droit d’être financé de l’étranger, il nous faudrait généraliser l’interdiction de ce financement à toutes les congrégations ou organisations religieuses en Suisse. Et il faudrait probablement trouver des solutions complémentaires financement locales de ces communautés avec une contribution éventuelle de l’Etat.

Pour répondre au besoin de la diversité de ses fidèles, l’Eglise catholique du canton de Zürich possède 27 lieux de cultes où le prêche se fait dans 12 langues autres que l’Allemand**: entre autres l’Albanais, le portugais, l’espagnol, le slovaque, le croate ou le polonais. Si l’on devait forcer les musulmans à faire le prêche dans une langue locale, il faudrait à nouveau considérer l’égalité de traitement et les conséquences pour les autres traditions religieuses. 

La présomption de culpabilité règne aujourd’hui pour la communauté musulmane. Nombreuses sont les accusations infondées, sans preuves ni justifications. La FOIS se met à disposition des autorités pour évaluer, voire empêcher des éventuels financements qui heurteraient le cadre légal suisse ou la paix sociale. Pour ce faire, des avis objectifs et factuels nous semblent indispensables.

Une motion de ce genre fait fi des efforts considérables de la très grande majorité des associations musulmanes en Suisse afin de garantir un financement local et d’augmenter leur indépendance de l’étranger.  Plusieurs audits de fondations musulmanes ont été entamés par les autorités. Plusieurs associations accusées injustement de financement étranger ont ouvert leurs comptes à l’Etat ou à des journalistes qui ont en fait la demande, pour démontrer que la grande partie des créances sont souvent des endettements auprès de banques suisses.

La FOIS a pour ligne de conduite de pousser ses membres à se conformer aux règles et aux lois en vigueurs et d’atteindre le niveau de transparence requis par les autorités. Elle collabore avec les autorités fédérales et cantonales pour faciliter le travail d’intégration, pour combattre toute forme d’extrémisme, pour réduire les ingérences extérieures afin de renforcer la paix sociale en Suisse. 

La FOIS salue la position juste du conseil fédéral exprimée par les propos de Madame la conseillère fédérale Simonetta Sommaruga auprès des parlementaires au sujet de la motion Quadri. Nous espérons que la suite des débats aux conseils des Etats se fasse de manière objective et non discriminante. La FOIS est à la disposition de toute requête pour débattre ou développer les idées et les mesures qui contribuent d’une manière décisive à la paix religieuse en Suisse.

Media Team FIDS

 

Migrantenseelsorge

Gottesdienste der Missionen in der Katholischen Kirche im Kanton Zürich

Je höher die religiöse Bildung, desto unwahrscheinlicher das Abdriften in Extremismus.

Europa leidet unter dem islamistischen Terror. In Afrika sind in den letzten fünf Jahren mehr als 30 000 Menschen getötet worden, hundert Mal mehr als in Europa. Weltweit bezahlt den mit Abstand grössten Blutzoll die islamische Glaubensgemeinschaft. Die Diskussion um den Terror hat sich verbissen in die rhetorische Frage, ob er «was mit dem Islam» zu tun habe oder nicht. Wie oft bei Schuldfragen handelt es sich um eine Schuldzuweisung in Frageform. Während die Ankläger in Selbstgerechtigkeit schwelgen, suhlen sich die Angeklagten in Selbstmitleid. Wie dumm und bequem ist diese Fixierung! Ich bin zuversichtlich, dass unsere Muslime einen Ausweg aus der Gewaltbereitschaft eines Teils ihrer fanatisierten Anhänger und ihrer Lehrer finden werden. Wie auch die Christenheit ihre Begeisterung für Kreuzritter und Ketzerverbrennungen überwunden hat. Dabei hilft eine Erkenntnis aus der Befragung von Aussteigern aus dem islamistischen Terrorismus in Afrika: Je höher die religiöse Bildung, desto unwahrscheinlicher das Abdriften in Extremismus. Wer seinen Glauben kennt, lässt sich von Fanatikern weniger verführen. Dass wir Kreuze von Kirchen und Weihnachtslieder aus Schulen wegretuschieren und uns übers Glockengeläute echauffieren, zeigt den Notstand in unserer religiösen Bildung an.

Übernommen von Blick am Abend, 22.09.2017, Kolumnist Roman Diethelm, Pfarrer in Zürich