Muslimische Spital- und Notfallseelsorge: Angebotslücke schliessen

„Die Nachfrage nach christlicher Seelsorge im Kanton Zürich ist ungebrochen hoch. Genauso ist es bei Musliminnen und Muslimen. Für die gegen 100’000 im Kanton lebenden Einwohnerinnen und Einwohner muslimischen Glaubens ist der Zugang zu Notfall- oder Spitalseelsorge bis anhin nicht geregelt. Diese Lücke wird nun geschlossen. Zusammen mit der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und mit Unterstützung der reformierten und katholischen Kirche hat der Kanton eine Trägerschaft gegründet, die die muslimische Seelsorge bereitstellt.“

Lesen Sie die ganze Medienmitteilung inkl. Aufzeichnung der Medienkonferenz auf www.zh.ch, vom 22. Feb. 2018

Medienmitteilung der VIOZ: Arm wie eine Moscheemaus aber nicht unbeteiligt

Richtigstellung unwahrer Behauptungen über die Mitfinanzierung des ZIID durch die muslimische Gemeinschaft

Am 31.01.2018 kürzte der Gemeinderat den Beitrag der Stadt Zürich zum ZIID von den geplanten CHF 140’000 auf CHF 100’000 und beschränkte diesen bis 2020.

Im Zuge dieser Debatte wurde unter anderem von Seiten der mitte-rechts-Parteien (CVP, FDP und SVP) als eines der Hauptargumente angeführt, dass die muslimischen Glaubensgemeinschaften keinen finanziellen Beitrag an das ZIID leisten würden.

Dies ist falsch.

Kirchliche Gelder, die für nicht-kultische Zwecke verwendet werden, werden anteilsmässig auch durch die muslimische Bevölkerung im Kanton Zürich durch Unternehmenskirchensteuern sowie durch die allgemeinpflichtigen Einkommens- und Vermögenssteuern (kantonalen Jahreszuschüsse aus allgemeinen Steuereinnahmen an die öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen bzw. Gemeinschaften) mitgetragen. Die Privilegierung der Kirchen diese Gelder zu verwalten ist durch deren öffentlich-rechtliche Stellung gegeben.

Diese Mittel werden also von der Gesamtgesellschaft geleistet, eingeschlossen der muslimischen Bevölkerung im Kanton Zürich, bzw. der muslimischen Glaubensgemeinschaften.

Darüber hinaus beteiligt sich die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) seit vielen Jahren jährlich mit 8% ihres Gesamtbudgets als Mitglied am ZIID. Ebenso sind VIOZ- VertreterInnen ehrenamtlich z. B. in Vorstandsfunktionen beim ZIID tätig, neben ihren Engagements in weiteren interreligiösen Institutionen, wie der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft Schweiz (IRAS), dem Interreligiösen Runden Tisch (IRT) und dem Zürcher Forum der Religionen (ZFR).

Eine freie öffentlich-politische Debatte und das Streben nach einer verantwortungsvollen Fiskalpolitik sind sehr wichtige und positive Anliegen in unserem liberalen, direktdemokratischen Rechtsstaat. Jedoch wäre es wünschenswert, wenn man diese Debatte, eben unseren demokratischen Idealen zuliebe, auf dem Boden der Tatsachen führen und sich dabei nicht unwahrer ‘Argumente’ bedienen würde.

In diesem Sinne bekräftigt die VIOZ weiterhin ihre klare Haltung für den interreligiösen Dialog, als einem der wichtigsten Elemente im friedlichen Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die VIOZ wird daher auch in Zukunft, so gut es mit den sehr beschränkten Mitteln einer nicht- anerkannten Glaubensgemeinschaft geht, das ZIID und seine äusserst wichtige Arbeit im
interreligiösen Dialog unterstützen.

 

Quelle: VIOZ Webseite

Weitere Informationen des Gemeinderats der Stadt Zürich: «Finanzdepartement, Stiftung ZIID Zürcher Institut für interreligiösen Dialog, jährlich wiederkehrender Betriebsbeitrag für die Jahre 2018–2021» (GR Nummer2017/383)

 

FIDS Stellungnahme zur „No Billag Initiative“

Konstruktive und vertiefte Wissensvermittlung in Religionsfragen, fernab vom politischen Tagesgeschäft, gibt es in den Schweizer Medien fast ausschliesslich im öffentlich-rechtlichen Angebot. Wir betrachten dieses Angebot als grundlegend wichtig für das gegenseitige Verständnis und die Vertiefung des religiösen Friedens in unserem Land.

In einer Phase von wirtschaftlichen Umbrüchen und ganz neuen Dynamiken in der Medienlandschaft kämen die Stimmen der sprachlichen und religiösen Minderheiten höchstwahrscheinlich zu kurz. Deren Schutz kann viel eher über ein öffentlich-rechtliches Angebot mit entsprechendem Auftrag gewährleistet werden. 

Im Wissen, dass sich die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen misst, sind wir der Überzeugung, dass die Aufrechterhaltung eines starken Service Public im Wohle der Schweiz und ihrer Bevölkerung ist. Folglich empfiehlt die FIDS die „No Billag-Initiative“ abzulehnen.

FIDS Media

Neu bei FIDS: Anlauf- & Rechtsberatungsstelle für Opfer islamfeindlicher Diskriminierung

Seit Januar dieses Jahres hat die FIDS eine neue Meldestelle eingerichtet, die sich vor allem mit Fragen der Muslim- sowie Islamfeindlichkeit befasst.

Diskriminierung ist jede Differenzierung und Ungleichbehandlung einer Person oder Gruppe von Personen aufgrund von persönlichen Merkmalen (äussere Erscheinung, Herkunft oder Religion), die sie von anderen unterscheiden.

Wenn Sie einen Fall von Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben, bieten wir Ihnen die Möglichkeit unser Meldeformular im Reiter Anlaufstelle auszufüllen. Unsere Fachperson wird anschliessend mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

 

 

Waadtländer Muslime sagen Nein zur «No Billag»

„Die Waadtländer Vereinigung der Muslime (UVAM) sagt Nein zu «No Billag». Mit einer Annahme der Volksinitiative, über die am 4. März abgestimmt wird, bangen die Muslime um den sozialen Zusammenhalt und religiösen Frieden in der Schweiz.“

„Beratung im Gang

Im Gegensatz zu den Waadtländern nehmen andere Schweizer Muslime vorerst keine Stellung zur «No Billag»-Initiative. Bei der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids) sind aber Beratungen im Gange, ob und welche Meinung zum Thema an die Öffentlichkeit getragen werden soll, wie es auf Anfrage von kath.ch hiess.“

Lesen Sie den ganzen Artikel auf kath.ch vom 12. Jan. 2018

Stellungnahme zur Mitteilung des Bundesrates bez. der Burkainitiative

Die FIDS unterstützt die Position des Bundesrates ein allfälliges Burkaverbot nicht in der Verfassung festschreiben zu wollen.

Symbolpolitische Abstimmungen gegen eine religiöse Minderheit für kaum existierende Kleiderpraktiken sind eindeutig nicht zielführend für das friedliche, gesellschaftliche Zusammenleben. Dennoch sollten gewisse Regeln geklärt werden. Es sollte z.B. strafbar sein eine Frau unter die Burka zu zwingen.  Es wäre auch zwingend, dass sich Personen bei Polizei-, Gemeinde- oder Passbelangen eindeutig zu erkennen geben.

Die FIDS befürwortet grundsätzlich die freie Entfaltung jedes Individuums. Die Gleichstellung von Mann und Frau oder von verschiedenen Religionsangehörigen kommt mit einer freien Wahl der Kleidergarderobe einher. In unserer entsprechend liberalen, schweizerischen Gesellschaft sind deshalb Kleidervorschriften in der Verfassung fehl am Platz. Es hat etliche Jahrzehnte gebraucht bis sich die  liberale  Gesellschaftsordnung in der Schweiz etabliert hat, daher wären verfassungsmässige Kleiderverbote ein grosser Schritt rückwärts.

Die sogenannte Burkainitiative stellt die Frauen weder gleich in ihrem freien Willen zur Kleiderwahl, noch beschützt sie solche Frauen die davon betroffen wären. Vermeintlich zu schützende Frauen würden so nur weiter von der Gesellschaft isoliert. Der von den Initianten vorgebrachte Schutz der betroffenen Frauen scheint uns eher ein Scheinargument zu sein. Einerseits haben sich die Initianten kaum sonst je für die Rechte der Frauen eingesetzt. Andererseits sind Frauen mit Gesichtsschleier Opfer einer Selbstisolation und in einigen Fällen allenfalls einer Nötigung. In beiden Fällen scheint es uns äussert unpassend diese Frauen noch zusätzlich zu strafen.

Mit dieser Initiative wird eine äusserst seltene Kleiderpraxis zu einer  nationalen, von starken Polemiken begleiteten Debatte aufgebauscht. Das stärkste Instrument für die von der Initiative angeführte Integration ist jedoch immer noch der verständnisvolle Dialog untereinander ohne unverhältnismässige Verbote in der Verfassung. Die FIDS steht für eine aktive Integration ein, bei der sich jeder Teilnehmer der Gesellschaft für ein friedliches Zusammenleben einsetzt.

Die FIDS ist besorgt darüber, dass die Burkainitiative leider missbraucht werden kann um unterschiedlichste Themenbereiche zu vermischen. Die Konsequenz dieser emotionalen Debatte ist, dass Muslime als Religionsgruppe stigmatisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden können. Aus all diesen Gründen stellt sich die FIDS gegen ein verfassungsmässiges Burkaverbot,  obwohl das Tragen der Burka keine religiöse Anforderung ist und von der FIDS nicht befürwortet wird. Etwaige neu aufkommende Gegenvorschläge werden durch die FIDS weiterhin beobachtet.

Wir sollten uns gemeinsam auf Schweizer Werte und staatsrechtliche Prinzipien berufen, keinen Zwang in religiösen Belangen, weder dafür, noch dagegen.

FIDS Media

Prise de position initiative burqa en français