Islamwissenschaftler suchen den Dialog mit Journalisten

Schweizer Islamwissenschaftler sind besorgt, dass eine von Ängsten geprägte und tendenziell ­polarisierende öffentliche Debatte über den Islam auch auf die mediale Berichterstattung zurückzuführen ist. Sie gehen deshalb aktiv auf Journalisten zu, um gemeinsam nach Lösungen für eine faktenbasierte ­Öffentlichkeit zu suchen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Medien berichten meist über die zweitgrösste Religion der Welt – den Islam – in einem negativen Kontext und orientieren sich an Stereotypen.
  • Journalisten verlieren sich oft in Details und vernachlässigen die komplexen Zusammenhänge.
  • Am 23. November 2017 diskutieren an einer Tagung der SRG Zürich Schaffhausen Schweizer Islamwissenschaftler und Journalisten Lösungsansätze. SRG-Mitglieder sind herzlich eingeladen.

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In Liechtenstein zwei Gemeinden – keine Moschee

Die Regierung hat die erste Studie über den Islam im Fürstentum Liechtenstein veröffentlicht. Muslime müssten sich zu oft für Radikalisierung und Terrorismus rechtfertigen, sagt der Gesellschaftsminister.

 

Terroranschläge im Namen des Islams hätten diese Religion in Verruf gebracht, sagte der Liechtensteiner Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini bei der Vorstellung der Studie. Die Muslime würden darunter leiden, dass sie in der westlichen Welt zu Rechtfertigungen und zu Distanzierungen aufgefordert würden. Auf der anderen Seite aber hätten sich auch Muslime im Westen radikalisiert, Terroraktionen durchgeführt und sich als Dschihad-Kämpfer in den Nahen Osten begeben. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung beim Liechtenstein-Institut eine Studie in Auftrag gegeben. Ziel ist, einen Überblick über die Situation der Muslime in Liechtenstein zu geben und gleichzeitig ein besseres Verständnis für die muslimischen Gruppen zu gewinnen. Immerhin zählen knapp 6 Prozent der liechtensteinischen Bevölkerung zum Islam, wovon etwa ein Viertel die Staatsbürgerschaft Liechtensteins besitzt.

Im Unterschied zur Gesamtbevölkerung ist der Anteil der jüngeren Generation höher: Fast ein Viertel der Muslime sind unter 15 Jahre alt und auch in der Altersklasse bis 29 Jahre sind die Angehörigen des Islams vergleichsweise übervertreten. Weiterlesen

36 Prozent fühlen sich von «Anderen» gestört – die Schweizer Intoleranz in 7 Grafiken

In der Schweiz leben Menschen mit unterschiedlichem kulturellen, sprachlichen und religiösen Hintergrund zusammen. So sind in der Schweiz beispielsweise mehr als zehn verschiedene Religionsgemeinschaften und über 190 Nationalitäten vertreten.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat nun erstmals untersucht, wie das Zusammenleben in der Schweiz funktioniert. Die wichtigsten Zahlen.

Den ganzen Artikel dazu und die Grafiken sehen Sie hier.

 

Ein Volk von Islamspezialisten

Von der eigenen Religion haben viele Christen wenig Ahnung. Aber an Stammtischen und in Leserbriefspalten wimmelt es von Islamkennern.

Die Kolumne in der Serie „Unkommod“ von Lukas Niederberger in: „Ostschweiz am Sonntag“ und „Zentralschweiz am Sonntag“ am 8. Oktober 2017

Kaum ein Tag vergeht, an welchem der Islam nicht öffentliches Thema ist. Kopftuch, Gesichtsschleier, Händeschütteln, Minarett, radikale Prediger, Koranverteilungen, Terroranschläge, Burkini, Schwimmzwang, Schächten und und und. Viele Stammtisch-Zampanos verkünden lauthals ihre Meinung zu all diesen Themen, obwohl sie sich seit der Sekundarschule in religiösen Fragen kaum weitergebildet haben und nur mit Mühe die eine oder andere Figur der Trinität nennen können. Und trotz Omnipräsenz des Islam in den Medien haben seit dem 11. September 2001 nicht das Wissen über den Islam und das Interesse daran zugenommen, sondern vielmehr die Vorurteile und Feindbilder. Abgrenzung statt Dialog lautet die Devise.

Viele Christen erlauben sich Urteile über den Islam, selbst wenn das Wissen nicht über die fetten Titel der Boulevard-Presse hinausgeht. Viele Christen verurteilen den Islam wegen des «Jihad», weil sie darunter wie die jungen Fanatiker einen konventionellen Krieg gegen Andersgläubige verstehen. «Jihad» bedeutet aber dasselbe wie «Aszese» in der christlichen Mystik – also das Ringen mit dem eigenen Ego.

Manche Christen verfassen auch unbedarft Leserbriefe über die Rolle der unterdrückten Frau im Islam und ignorieren dabei, dass Paulus und Thomas von Aquin die Genderdiskussionen im Christentum bis heute stärker prägen als Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer.

In vielen Diskussionen und in den Medien taucht auch regelmässig der Ausdruck «Islamisten» auf. Mit diesem Begriff wird der Islam undifferenziert entwertet. Noch nie kam es einem Journalisten in den Sinn, Kreuzritter oder radikale irische Gruppen als Christisten, Katholizisten oder Protestantisten zu nennen. Wenn Menschen (in diesem Fall 99% Männer) aus einem Mix von Ideologie, Gruppendruck, Anerkennungsmangel, Drogenkonsum und Hormonstau Terror mit der Etikette Religion ausüben, so ist es höchst fragwürdig, diese Leute als Vertreter dieser oder jener Religion zu bezeichnen. Das Wort Islamist sollten wir darum aus unserem Wortschatz streichen. Wie aber sollen wir diese Typen bezeichnen? Würden wir sie «Instrumentalisten» schimpfen, weil sie eine Religion vereinnahmen, dürften Orchestervereine intervenieren. Würden wir sie Idioten nennen, würden wir die hirngewaschenen Krieger auf die gleiche Ebene stellen wie jene, die nachts um vier grölend vom Ausgang heimtorkeln, wie Hunde die Wände markieren und die Bierdosen auf den Boden werfen wie Dreijährige ihre Legosteine. Und würden wir sie «Testosteronisten» nennen, würden friedensbewegte Männer aufjaulen. Letztlich sind sie wie die RAF der 70er Jahre schlicht und ergreifend fanatische Terroristen.

Wenn Christen über den Islam schreiben oder sprechen, ist grundsätzlich Zurückhaltung angesagt. Vor allem sollte man zuvor reflektieren, wie sich gewisse Phänomene in der eigenen Religion verhalten. Bald schon werden zahllose Leserbriefe im Zusammenhang mit der Abstimmung über ein nationales Verhüllungsverbot erscheinen. Mir schwant Schlimmes. Die ehemaligen Religionslehrer der Leserbriefautoren werden sich die Haare raufen oder ausreissen, so sie noch welche haben.

Keine ausländischen Gelder für Moscheen?

Islamische Gebetsstätten und Imame sollen kein Geld mehr aus dem Ausland annehmen dürfen. Das verlangt eine Motion, die der Nationalrat angenommen hat. Doch so einfach ist das Vorhaben nicht.

Muslimische Gemeinschaften werden oft verdächtigt, Gelder aus dem Ausland anzunehmen und dadurch manipulierbar zu sein. Ein politischer Vorstoss will das ändern. Weil Muslime in der Schweiz aber meist als Vereine organisiert sind und ihre Finanzen nicht offenlegen müssen, ist eine Kontrolle der Finanzen schwierig. In Österreich sieht das anders aus: Dort sind einige Gemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkannt.

Das Radiointerview mit Religionsredaktorin Antonia Moser vom 01.10.2017 hören Sie hier.